Nicht am Menschen sparen!

Mit einer eindrucksvollen Protestaktion in Stuttgart ist heute die landesweite Kampagne „Nicht am Menschen sparen“ gestartet. Vor der Geschäftsstelle der Offenen Hilfen Stuttgart der Diakonie Stetten wurde heute das Kampagnenmotiv „Nicht am Menschen sparen“ mit einem roten Kreuz im XXL-Format inszeniert. Menschen mit Unterstützungsbedarf, Angehörige und Mitarbeitende – auch von Atrio Leonberg – machten deutlich: „Ich bin kein Sparpotenzial.“ Begleitet wurde die Aktion von einer symbolischen Protesthandlung: 44 Aktenordner wurden entsorgt – einer für jeden Stadt- und Landkreis in Baden-Württemberg, in denen unterschiedliche Verfahren und
Standards unnötig Bürokratie erzeugen.

Hinter der Kampagne steht ein Bündnis von 15 sozialen Einrichtungen und Verbänden. Gemeinsam
erreichen sie deutlich über 40.000 Menschen mit Unterstützungsbedarf. Auch Atrio Leonberg ist dabei.

Rund um den Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung setzen soziale Einrichtungen, Betroffene und Angehörige damit ein deutliches Zeichen gegen drohende Kürzungen im Sozialbereich – und machen gleichzeitig konkrete Vorschläge, wie Einsparungen auch ohne Leistungskürzungen möglich sind.

Online-Petition

Parallel zum Kampagnenstart wurde eine Online-Petition gestartet. Ziel sind mindestens 25.000
Unterschriften.

Sparen ja – aber nicht am Menschen

Die zentrale Botschaft des Bündnisses geht über ein „Nein“ zu Kürzungen hinaus: Es gibt realistische Möglichkeiten zu sparen – ohne bei den Menschen zu sparen. Ein bislang zu wenig genutztes Potenzial liegt im Abbau von Bürokratie: uneinheitliche Verfahren, mehrfach zu erfassende Daten, fehlende digitale Lösungen sowie hohe Abstimmungs- und Verwaltungsaufwände. „Wir sehen seit Jahren, dass immer mehr Ressourcen im System gebunden werden – nicht bei den Menschen, sondern in komplexen Verfahren. Genau hier liegt die Chance: Wenn wir Bürokratie konsequent abbauen, können wir Mittel freisetzen, ohne Leistungen zu kürzen.“, so Dr. Kornelius Knapp, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Württemberg und Beiratsmitglied von Atrio Leonberg. Eine aktuelle Untersuchung zeigt: In der direkten Betreuung gehen im Schnitt rund eineinhalb Stunden täglich für rein bürokratische Tätigkeiten verloren. Diese Zeit fehlt dort, wo Unterstützung wirkt – bei den Menschen.

Gelingt es, diese Bürokratie zu reduzieren, profitieren alle: Menschen mit Unterstützungsbedarf,
Angehörige, Mitarbeitende, Einrichtungen – und auch Kommunen, Land und Bund, weil knappe Mittel
wirksamer eingesetzt werden können. Damit versteht sich die Kampagne als konstruktiver Beitrag zur aktuellen Spar- und Reformdebatte.

Weitere Informationen: www.nichtammenschensparen.de